Außergewöhnliches Klangerlebnis

Das Jugendmusikkorps Avenwedde und die fusionierte Kantorei und Jugendkantorei der evangelischen Gemeinde Isselhorst präsentieren in der Martin-Luther-Kirche frische polyphone Werke mit mehr als 100 Mitwirkenden.

Edwin Rekate

Gütersloh. Die Spannung steigt, das Martin-Luther-Kirchenschiff und die Empore haben sich bereits gefüllt, als um 18 Uhr das außergewöhnliche Event beginnt. Mario Unger, Präsident und Moderator des Jugendmusikkorps Avenwedde, begrüßt herzlich die zahlreichen Konzertbesucher und öffnet die Schatzkammer der zeitgemäßen Komponisten, die völlig neue Räume der Hörbarkeit virtuos beschreiten. „Auf ein Programmheft wird aus Kostengründen bewusst verzichtet. An den Säulen hängen QR-Codes aus, die Sie jetzt mit Ihren Handys abscannen können“, offeriert Unger.

Die Startsequenz übernimmt das dreiminütige „Largo“ aus der „Regina Magna“ des niederländischen Komponisten und Schlagzeugers Ruud Mourik (*1949). „Korps und Chor – Musik verbindet! Unter diesem Motto haben sich heute zwei große Klangkörper aus den benachbarten Stadtteilen Avenwedde und Isselhorst zusammengefunden. Und Sie sehen es, mehr als 100 Mitwirkende füllen heute den großen Altarraum der Martin-Luther-Kirche komplett aus!“ – Birke Schreiber, Kantorin der evangelischen Kirchengemeinde Isselhorst, begrüßt die zahlreichen Konzertbesucher und schildert kompress die Genese der schallenden Fusion und die Motivation des modernen Künstlers, der sich auf einer Kreuzfahrt nach Norwegen inspirieren ließ.

Mehr als 60 Sängerinnen und Sänger im Alter von zehn bis 82 Jahren artikulieren anschließend die „Rohrauer Messe“, die 2007 von Shane Woodborne (*1963) eigens für Blasorchester und Chor komponiert worden ist. Trommelschläge im Herztakt und warme Orchester-Sounds unterstreichen die zarten femininen Stimmen, die zeitversetzt von maskulinen Frequenzen komplementiert werden. Im Verlauf des 22-minütigen Werks ertönen seriell die „Kyrie“, die „Gloria“, das „Sanctus“ und das „Agnus Dei“ und erfüllen direkt die musikalische Struktur der Anrufung Gottes.

Es folgen die emphatischen „Music Makers“ des US-amerikanischen Komponisten und Musikpädagogen James Curnow (*1943). „Der Text geht auf eine in England sehr bekannte Ode zurück“, erläutert Birke Schreiber und präzisiert: „Das Stück hat drei Teile, der erste und dritte Part sind sehr rhythmisch. Dieser Song strahlt die Energie und Lebenslust aus, die von Musikern ausgeht. Sie sind Macher und Beweger der Welt! Der ruhige und träumerische Mittelteil thematisiert, dass sich Künstler von der Welt zurückziehen, um ihre Kreativität überhaupt entwickeln zu können!“

Schon ertönt „Vita pro Musica“ unter der Stabführung von Polychronis Karamatidis, dem Musikalischen Leiter des Avenwedder Jugendmusikkorps. „Eine Fanfare und ein Hymnus, komponiert von Thiemo Kraas (*1984)“, präzisiert der Musikschaffende das soeben Gehörte. „Das Werk entstand 2015 anlässlich des Geburtstags von Ernst Oestreicher, dem Bundesdirigenten des Nordbayerischen Musikbundes!“ Die direkt anschließende „Symphony No. 1“ von Otto Martin Schwarz führt das Publikum auf eine schallende Zeitreise ins ausklingende Mittelalter. Über die Familie der Borgias kursiert eine schwarze Legende. Musikalisch werden von Korruption, Machtmissbrauch, Orgien, Sex und Mord unter dem Pontifikat von Papst Alexander VI dramatisch inszeniert.

Das Finale prägt ein wunderschöner, tief bewegender Choral des Komponisten und Grammy-Gewinners Eric Whitacre (1970). Er notierte den neo-impressionistischen Song „Sleep“ (Der Schlaf) und die leidenschaftliche Interpretation des Sinfonisches Blasorchesters und der beiden Kirchenchöre heben die vernehmbaren Schallwellen auf ein ganz neues Level. Als Zugabe auf den stürmischen Applaus erklingt „Adiemus“ aus der Feder des walisischen Komponisten Karl Jenkins ( 1944).

„Das sind alles Stücke, die original für Blasorchester und Chor notiert worden sind. Das ist schon etwas ganz Besonderes!“ – Birke Schreiber motiviert nach dem Konzert das brandaktuelle Programm, das die Welt der Bläserinnen und Bläser mit der Welt der Sängerinnen und Sänger verschmelzen lässt. „Für mich sind das alles Neuentdeckungen. Bei manchen haben die Bläser einen höheren Anteil, bei der Messe war es mehr der Chor und bei allen anderen war die Verteilung gleichwertig“, erklärt Schreiber den erlebbaren Genuss des neuen Levels, das moderne weltliche und geistliche Trends emotional kombiniert und damit riesengroßen Anklang beim Auditorium gefunden hat.

Mit freundlicher Genehmigung von: Neue Westfälische, 12.5.2026.Texte und Fotos aus der Neuen Westfälischen sind urheberrechtlich geschützt. Weiterverwendung nur mit schriftlicher Genehmigung der Redaktion.

Die Aufführung fand am 9. Mai 2026 in der Martin Luther Kirche in Gütersloh statt.

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